Theresia Kiehlmann

Theresia Kiehlmann ist Inhaberin und geschäftsführende Gesellschafterin von Theresias Pflege GmbH.

Frau Kiehlmann, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang?
Ich habe 1974 meinen Hauptschulabschluss gemacht und danach eine Ausbildung zur mechanisch-technologischen Textillaborantin begonnen.

Wie lange ging die Ausbildung?
Drei Jahre. Anschließend habe ich als Textillaborantin in Denkendorf gearbeitet, im Institut für Textil- und Faserforschung, was auch mein Lehrbetrieb war. 1985 kam mein erstes Kind. Mein damaliger Arbeitgeber wollte, dass ich mindestens 30 Arbeitsstunden im Lehrbetrieb arbeite. Das konnte ich mit dem kleinen Kind nicht.

Was haben Sie stattdessen getan?
Ich musste ja weiter dafür sorgen, dass ich Geld verdiene. Also habe ich Zeitungen ausgetragen. Die Esslinger Zeitung, von 03.00 bis 06.00 Uhr. 1987 kam mein zweites Kind und 1988 das dritte. 1992 dann das vierte Kind. Später habe ich neben der Zeitung auch noch Waschpulver  ausgefahren – bei der Firma Wöhrle in Winnenden.

Und was taten Sie noch, um für die Familie mit finanziell zu sorgen?
Ich habe für kurze Zeit beim Bäcker gearbeitet – als Verkäuferin. Das lag mir aber nicht. Und so habe ich dort auch wieder recht schnell aufgehört.

Was passierte danach?
Ich wurde arbeitslos.

Wann war das?
1999.

Wie ging es weiter?
Das Arbeitsamt bot mir Stellen als Textillaborantin in Polen und in der Slowakei an. Das war für mich nicht machbar. Wo sollten die Kinder bleiben? Ich war ehrlich gesagt nicht gerade begeistert, was ich für Alternativen bekam, um wieder einen festen und langfristigen Job zu bekommen.

In einem der folgenden Termine bot mir die Arbeitsvermittlerin zum Beispiel eine Putzstelle an. Das war der Zeitpunkt, wo ich mich langsam mit dem Gedanken anfreundete,  in die Pflege zu gehen.

Wie kamen Sie darauf?
Nun, ich habe in der Zeit schon immer für die Nachbarin mit eingekauft. Die Hausärztin fragte mich dann, warum ich mir das nicht bezahlen lassen würde. Ich wollte einfach nicht für fremde Leute in allen Angelegenheiten zur Verfügung stehen.

Zum Beispiel?
Jemanden zur Toilette zu bringen. Das kam für mich nicht infrage. Jedenfalls konnte ich es mir anfangs schlecht vorstellen.

Und was haben Sie gemacht?
Ich hatte ja noch meine Jobs. Aber irgendwie fiel mir trotzdem die Decke auf den Kopf. Also entschloss ich mich, bei der Johanniter eine Ausbildung zur Pflegehelferin zu beginnen.

Kamen Sie mit dem Kurs klar?
Ja. Theoretisch habe ich das gut gepackt. Doch in der praktischen Arbeit, also bereits im Praktikum in einem Pflegeheim in Esslingen stellte ich fest, dass zur Pflege viel mehr dazugehört.

Was meinen Sie konkret?
Ich merkte schnell, dass man sich um die Pflegebedürftigen mit ganzer Hingabe kümmern muss. Dadurch spürte ich auf der anderen Seite auch die Dankbarkeit, die mir die Pflegebedürftigen entgegenbrachten.

Also wollten Sie in der Pflege bleiben?
Ja. Und nicht nur das. Ich entschloss mich, eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin zu beginnen.

Wo haben Sie die Ausbildung absolviert?
In Plattenhardt war die schulische Ausbildung und die praktische Seite war in St. Lukas in Wernau – von 2000 bis 2003. Während der Ausbildung habe ich in einem Pflegeheim gearbeitet. Danach war ich dann in einem kirchlichen ambulanten Pflegedienst tätig.

Was haben Sie danach gemacht?
Von 2003 bis 2006 arbeitete ich als examinierte Altenpflegerin und habe nebenher noch eine Ausbildung zur Palliativfachkraft absolviert. Anschließend wechselte ich in die Heimbeatmung und habe dazu eine Intensivpflegeweiterbildung absolviert.

Was waren die nächsten Schritte?
Ich war inzwischen Pflegedienstleitung geworden. Dann wurde die Einrichtung, in der ich gearbeitet habe, verkauft. Mit den neuen Inhabern änderte sich die Philosophie. Ich passte da nicht mehr rein.

Warum nicht?
Das ist ein weites Feld. Auf den Punkt gebracht wollte ich mich mit der gleichen Hingabe um die bisherigen Patienten kümmern. Die neue Geschäftsführung hatte andere Ziele im Kopf. Also stimmte ich einem Aufhebungsvertrag zu und verließ das Unternehmen.

Was haben Sie dann gemacht?
Ich habe bei einer ehemaligen Kollegin in einem ambulanten Pflegedienst begonnen. Dort musste ich viele Dienste absolvieren. Das war auch eine harte Zeit. In der Zwischenzeit wurde zudem noch meine Mama krank und benötigte mehr Pflege und Betreuung. Ich wollte sie pflegen.

Wie ging das?
Ich fasste den Entschluss, meine Mama zu versorgen und zugleich meine Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Also gründete ich 2013 meinen eigenen Pflegedienst.

Wie muss man sich das vorstellen?
Ich versorge die Pflegebedürftigen auf Privatrechnung. Zum Beispiel: Ich treffe mit Angehörigen eine Vereinbarung, dass ich den Pflegebedürftigen dreimal in der Woche duschen soll.

Haben Sie überhaupt genügend Aufträge?
Ja. Natürlich gibt es manchmal Spitzen und ein anderes Mal wiederum habe ich nicht so viele Aufträge. Aber ich kooperiere ja auch mit Pflegediensten, arbeite stundenweise Aufträge ab.

Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut – Familie und Beruf?
Das ist nicht leicht. Zumal wir ja auf dem Land leben und man muss auch bereit sein, kurzfristig für jemanden einzuspringen.

Wenn Sie ein Resümee ziehen – ist das der Beruf, den Sie mögen?
Ja, auf jeden Fall. Es gibt viel stressige Momente, aber auch viel sehr schöne Begebenheiten. Aber insgesamt ist es ein sehr entspanntes Arbeiten.

Übrigens: Ich stehe manchmal den Pflegebedürftigen näher, als deren eigene Angehörige. Schließlich bin ich für sie da, höre ihnen zu und helfe ihnen, das tägliche Leben zu bewältigen.

Würden Sie also sagen, dass den richtigen Weg gegangen sind?
Ja, so würde ich das sagen. Ich bin glücklich, wenn ich anderen Menschen helfen kann und diese dafür ihre Dankbarkeit zeigen. Dafür nehme ich so manchen Stress im Alltag auf mich.

Frau Kiehlmann, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview erfolgte am 18/11/2016

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