Rita Bürger

Rita Bürger ist die Inhaberin der Tagespflege Birkenhof in Dannau.

 

Frau  Bürger, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Nach Realschule und Ausbildung war ich als Steuergehilfin tätig.
Von 1975 bis 1990 habe ich dann als Versicherungsangestellte bei der Provinzial gearbeitet. Anschließend war ich selbstständige Versicherungskauffrau bei der Iduna, Bezirksdirektion Kiel. Das lag mir mehr. Ich konnte hier mit Menschen kommunizieren und hatte daran viel Spaß.
Der Wechsel kam 1993. Da habe ich ein Vorpraktikum in der Pflege absolviert. In den Jahren von 1993 bis 1995 durchlief ich die Ausbildung zur staatlich anerkannten Altenpflegerin an der Fachschule für Altenpflege des DRK in Kiel.
1995 bis 1996 habe ich ein Jahr lang Berufspraktikum gemacht – in Plön.
1996 fand an der Fachschule das Kolloquium statt für die 2. Teilprüfung Danach durfte ich selbstständig arbeiten.
1996 bis 2000 war ich in Malente in der Seniorenresidenz „Godenblick“ angestellt.
Von 2000 bis 2007 habe ich im Seniorenwohnhaus „Gadendorf“ gearbeitet.
Das war eine schöne Zeit. Es ging sehr familiär zu. Wir hatten anfangs sechs Bewohner. Später wuchs die Zahl auf 9 Bewohner.
Ich habe dort auf gehört, weil die „Chemie“ zwischen der Einrichtungsleitung/zugleich Besitzerin und mir nicht mehr harmonierte.
Ich habe dort aufgehört, weil die Chemie nicht mehr stimmte – zwischen der Einrichtungsleitung, die zugleich Besitzerin war, und mir.

Wie ging es dann weiter?

Von Juli 2007 bis Ende Januar 2008 war ich in einem Seniorenzentrum in Lütjenburg.
Schließlich bin ich noch von Februar 2008 bis zum 23.04.2008 in der Pflegeeinrichtung  „Hof Barth“ in Schlesen gewesen. Zu dieser Einrichtung gehörte auch eine Tagespflege.
Die zu Betreuenden waren fast alle feste Bewohner in dem Haus.
Während der Probezeit hörte ich dort schließlichauf, weil ich mit dem Führungsstil und der konzeptionellen Ausrichtung der Einrichtungsleitung, zu gleich Inhaber nicht einverstanden war.
Während der Probezeit hörte ich dort schließlich auf. Ich war mit der Einrichtungsleitung, die zudem auch die Inhaber waren, nicht einverstanden – vor allem mit dem Führungsstil und der konzeptionellen Ausrichtung.

Was war die Initialzündung dafür als selbstständige Unternehmerin in der Pflege zu arbeiten?

Die Idee rührte aus den Zeiten als ich in den Heimen arbeitete.
Wir hatten dort ja kaum Zeit, mit den Bewohnern zu reden, persönlich ein Wort zu wechseln.
Dann kam mir ein Zufall zu Hilfe. In Dannau stand eine Landgaststätte leer. Die Besitzer wohnten in Berlin. Die Gaststätte und eine Pension, das war die vorherige Einrichtung. Also erst einmal nicht ideal für uns. Trotzdem: Mein Mann und ich hatten gleich die Idee, dort eine Tagespflege zu installieren.
Doch zunächst mussten die Heimaufsicht und die Ersatzkassen überzeugt werden. Bei der Besichtigung fanden wir den Charme der 70, 80 er Jahre vor. Die Gasträume waren noch komplett möbliert, einschließlich eines Tresens. Die Toiletten waren dunkel gefliest und es gab vieles mehr, was erneuert werden musste.  Von den Abmaßen passte es aber für 12 Tagesgäste.
Die Auffahrt musste angeglichen werden, damit man mit dem Rollstuhl dort hinauffahren konnte.

Haben Sie gemietet?

Ja. Doch die Kosten des Umbaus mussten wir allein tragen.
Und es musste ja auch sofort das gesetzlich vorgeschriebene Mindestpersonal zur Verfügung stehen. Der Anfang war schwer. 
Wir haben das nur geschafft, weil mein Mann in der Zeit seine Ruhestandsbezüge bekam  und er damit unseren Lebensunterhalt  finanzierten konnte.  Er war Berufssoldat und gerade in den Ruhestand gegangen.

Was ist Ihnen am Anfang am leichtesten gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Die größte Schwierigkeit bestand darin, Tagesgäste zu bekommen.
Sie müssen sich vorstellen, der Birkenhof befindet sich hier in einem Dorf.
Da ist man konservativ. Und man hat es am Anfang schwer, einen Fuß in die Tür zu bekommen.
Ich habe viel Werbung gemacht. Anfangs war das mitunter auch unnütze Werbung. Aber es gab eben auch viele nützliche Aktivitäten.

Welche?

Wir haben Tanznachmittage für Senioren veranstaltet. Oder: Ich habe Vorträge im Seniorenverband und in allen möglichen Vereinen gehalten.
Ich habe Ärzte besucht, Flyer verteilt. Ich stellte mich auch im Kindergarten von Dannau vor. Die Kinder besuchen uns inzwischen regelmäßig.
Da waren auch aufregende Sachen dabei. Zum Beispiel ein Vortrag vor dem Arzt-Kreis im Bismarck-Turm in Lütjenburg.

Wie war das für Sie, vor Ärzten zu sprechen?
Ich war sehr aufgeregt am Anfang. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. Dann habe ich darüber gesprochen, was in der Tagespflege passiert und warum es so wichtig ist.
Außerdem: Schnuppertage, die wir durchgeführt haben und heute noch durchführen, waren letztlich erfolgreich. Natürlich haben wir auch Pflegedienste angesprochen. Es ist eine Vielzahl von Aktivitäten und Fleiß, Beständigkeit, die zum Ziel führen.

Und was ist Ihnen leicht gefallen?

Ich bin sehr kontaktfreudig. Aus meinen früheren Tätigkeiten war ich da natürlich trainiert. Mir liegt die Freude am Kommunizieren in den Genen.
Ich habe viele Fachvorträge gehalten. Es lag mir, zu Themen der Demenz zu sprechen.
Und andersherum habe ich zum Beispiel die Barmer Ersatzkasse zu uns ins Haus zum öffentlichen Vortrag über die Pflegereform eingeladen, der gut angenommen wurde.
Die Summe hat den Erfolg gebracht. Heute sind 16 Gäste bei uns.
Sie werden von 12 Mitarbeitern betreut. Darunter sind zwei Beschäftigungsassistentinnen nach Paragraph 87b.
Und zwei Ehrenamtliche arbeiten mit – Singen, Basteln mit den Senioren und vieles mehr. Sie besuchen uns an 2 Tagen in der Woche.


Was macht Ihrer Meinung nach ein starkes Team aus?

Ehrlichkeit und Mitspracherecht. Das ist wichtig.
Selbst viel miteinander unternehmen.
Wir sind zu Weihnachten nach Österreich auf den Weihnachtsmarkt gefahren oder wir gehen zusammen zum Bowlen.
Wichtig ist, dass man auch in komplizierteren Situationen zurechtkommt.
Wenn Frauen zusammen sind, dann gibt es manchmal den sogenannten „Zickenkrieg“. Ein gemischtes Team ist da gut.
Wie kommen denn männliche Mitarbeiter bei den Gästen an?
Sehr gut. Die Mischung macht es wirklich. Wir haben zum Beispiel Rentner und Frührentner, die sehr gern bei uns arbeiten.

Wo sehen Sie die Gründe für den mitunter schlechten Ruf von Pflegediensten in der Öffentlichkeit?
Ich glaube, viele werden in den Beruf gedrängt, weil sie vielleicht nichts anderes auf dem Arbeitsmarkt finden.
Mitunter kommen Langzeitarbeitslose zu den Pflegediensten, die vom Job-Center vermittelt wurden und die keine Lust haben, überhaupt zu arbeiten.

Ist das bei allen so?
Das trifft nicht auf alle zu, bestimmt nicht.  Ganz sicher ist das nicht die Mehrheit. Aber Sie wissen, es reicht ein schlechter Eindruck, der den Ruf des Pflegedienstes ankratzt.

Was hat sich geändert gegenüber der Zeit, wo Sie angefangen haben?

Für mich ist die Tagespflege zum zweiten Zuhause geworden.
Ich bin stolz auf die Mitarbeiter, auf Ljubov Amirov, unsere Pflegedienstleiterin, ich bin stolz auf meinen Mann.
Ohne sie hätte ich das alles nicht geschafft.

Also ein positiver Wandel?

Ja, zum großen Teil schon. Heute sind wieder andere Herausforderungen.
Die Ausbildung wird besser. Die Dokumentation ist aber auch umfangreicher geworden.

Was macht für Sie individuelle Pflege aus?

Auf die Person eingehen. Die Gäste beobachten – medizinisch, psychologisch.
Ich weiß  zum Beispiel, wen ich in den Arm nehmen muss oder wer keine Nähe will.

Was sagen Sie zur Generalistik in der Pflegeausbildung?

Mein Sohn ist Krankenpfleger. Er ist gut darin. Aber damit ist er ja nicht gleichzeitig gut in der Altenpflege.
Hier gehört vielmehr psychologisches Einfühlungsvermögen, die Kenntnis dessen, was einen alten Menschen bewegt dazu, welche typischen Krankheitsbilder auftreten.
Ich denke, da ist noch nicht alles in der Konzeption ausgefeilt.
Von Vorteil ist, wenn alle das gleiche Gehalt bekommen. Da sind wir dann tatsächlich ein Stück weiter.

Was ist für Sie persönlich Glück?
Ich bin zufrieden, wenn ich gesund bin.
Das Geld kommt an zweiter Stelle.

Frau Bürger, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview erfolgte am 16/03/2016

Birkenhof
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24329 Dannau

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