Ramona Matschy

Ramona Matschy ist die Inhaberin des ambulanten Pflegedienstes DAP in Kiel.

 

Frau Matschy, wenn Sie von vorn beginnen könnten, würden Sie den gleichen Weg noch einmal gehen?
Ganz sicher.
Natürlich: Ich würde nicht jeden Schritt wiederholen. Da waren ja auch Fehler und Umwege dabei. Das muss man sich ja nicht zweimal antun.
Aber ich wollte mich damals selbstständig machen, weil ich meine Philosophie von Pflege leben wollte.

Was ist Ihre Philosophie?
Nun, ich habe viele Jahre in Krankenhäusern auf verschiedenen Stationen gearbeitet. Ich hatte also genügend Zeit, mir meine Gedanken zu machen.
Ich wollte mehr Aufmerksamkeit für die, die gepflegt und betreut werden sollen. Mir fehlte das, was man heute mit individueller Pflege beschreibt.
Man kann fachlich viel tun. Doch mir ging es von Anbeginn darum, den Menschen hinter dem Pflegebedürftigen, den Patienten zu sehen. Und ihn auch so wahrzunehmen. Mit ihm zu sprechen, ihn näher kennenzulernen, einfach einen persönlichen Zugang zu ihm zu bekommen.

Und: Ist das denn nun eingetreten? Haben Sie mehr Zeit für die Pflegebedürftigen, wo Sie selbst die Geschicke in der Pflege und Betreuung bestimmen?
Grundsätzlich kann ich das mit einem klaren „ja“ beantworten.
Individuelle Zuwendung, die Wünsche und Bedürfnisse der zu Pflegenden wirklich zu kennen, das sind keine Worthülsen für mich geworden. Ich lebe das mit meinem Team täglich.
Natürlich, heute ist der Aufwand bei mir höher, um mich mit neuen wichtigen Bestimmungen des Gesetzgebers, von Behörden und Institutionen zu befassen. Das alles muss ja in der täglichen Umsetzung im Pflegedienst beachtet werden. Dazu gehört auch die kontinuierliche Bearbeitung der Pflegedokumentation. Das Wichtigste aber für uns alle im Team bleibt: Der Pflegebedürftige kommt zuerst. Wenn das fest in den Köpfen ist, dann findet man auch die Zeit hinterher für die nötige Dokumentation der Pflegeprozesse.

Frau Matschy, warum haben Pflegedienste Ihrer Meinung nach heute zum Teil so einen schlechten Ruf?
Also erst einmal: Ich glaube fest daran, dass die übergroße Mehrheit derer, die in der Pflege arbeiten einen guten Job machen – egal ob Inhaber, PDL oder Altenpfleger. Natürlich gibt es auch die schwarzen Schafe. Und wenn Sie nur einen darunter haben, ja dann wird eben über diesen schlechten Pflegedienst am meisten geredet. Die Guten fallen weniger auf – das ist der Normalfall.
Was ich noch sehe in diesem Zusammenhang:
Die Anspruchshaltung insgesamt ist enorm gewachsen.  Vor zwanzig Jahren als es mit der Pflegeversicherung begann, da waren die Erwartungen weniger hoch. Heute ist zum Beispiel ein Angehöriger eines Pflegebedürftigen viel aufgeklärter, will genau wissen, was er für sein Geld bekommt.

Das ist doch aber gut, oder?
Ja, natürlich. Ich selbst tue ja viel in der Beratung und Aufklärung von Angehörigen und Pflegebedürftigen, was deren Ansprüche und finanziellen Möglichkeiten betreffen.
Und trotzdem: Ich stelle in der Praxis fest, dass es in einigen wenigen Fällen überzogene Erwartungen von Angehörigen der zu Pflegenden gibt. Manch einer meint, er müsse mehr für sein Geld bekommen.
Das ist aber genau definiert in den SGB und in den Leistungskatalogen.
Und nur so kann ja auch leistungs- und qualitätsgerecht gepflegt werden.
Dann wird schnell das Urteil gefällt und der Pflegedienst ist schlecht.

Ist Ihnen das schon mal passiert?
Also ich denke, jeder Verantwortliche in der Pflege hat schon mal derartige Gespräche geführt.
Ich finde, man kann hier nur zwei Dinge in der Praxis miteinander verknüpfen:
Tatsächlich den eigenen Qualitätsanspruch in der täglichen Pflege kontinuierlich umsetzen und zugleich sehr detailliert informieren und beraten.
Dann entsteht und wächst Vertrauen. Einen anderen Weg sehe ich hier nicht.

Worauf sind Sie besonders stolz in Ihrer Zeit als Inhaberin eines Pflegedienstes?
Auf die erste Wohngemeinschaft für Demenzkranke in Kiel. Der Betreiber ist Mobilee. Und wir haben die demenzkranken von Anbeginn betreut.

Wann war das?
Die Wohngemeinschaft wurde 2005 eingerichtet.

Was macht Sie da besonders stolz?
Das müssten Sie eigentlich selbst mal sehen und erleben. Dort wohnen Menschen, die ihr ganzes Leben hart gearbeitet haben. Und jetzt leiden sie unter der eingeschränkten Alltagskompetenz aufgrund von Demenz. Sie sind hilflos und brauchen unsere Hilfe.
Wenn wir es als Team schaffen, ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, weil wir alte Lieder abspielen und gemeinsam singen – ja dann ist das herzergreifend. Und: Es macht mich wahnsinnig stolz, dass wir schon solange mit der Betreuung Menschen in der Wohngemeinschaft befasst sind.

Was würden Sie heute jemandem mit auf den Weg geben, der den Pflegeberuf ergreift?
Bewahre dir deinen Idealismus und lass dich nicht von deiner selbst gewählten Berufung abbringen.

Das klingt aber sehr edel, oder?
Das ist es auch. Doch wo landen wir denn, wenn wir gar keine Ideale haben, nur für Geld arbeiten gehen? Ich glaube, dann ist man in diesem Beruf falsch.
Natürlich werden in den langen Jahren der Pflegepraxis die „Karten immer wieder neu gemischt“, muss man sich von so manchem Vorhaben verabschieden.  Aber von einer Sache will ich das nicht: Dem Ideal, dass Pflege eine Berufung ist. Und das meine ich wirklich so. Einige meinen heute, sie müssten sofort in die Führungsetagen der Pflege –und Gesundheitswirtschaft. Aber wer pflegt dann die Oma, also unsere Eltern und Großeltern. Wer müht sich Tag für Tag ab und bewahrt sich und den anderen Menschen die Freude am Tun in der Pflege? Das meine ich. Hier kann ich zeigen, was meine Ideale wirklich wert sind.

Zum Schluss: Was macht für Sie persönlich Glück aus?
Zunächst sind das die ganz irdischen Dinge – ein gutes finanzielles Ein – und Auskommen, sich etwas leisten können; Sicherheit im Leben.

Und weiter?
In Kiel zu leben. Ich liebe diesen Menschenschlag. Sie sind anfangs wortkarg. Aber sie sind klar. Und wenn man sie einmal für sich gewonnen hat, dann hat man sie in der Regel für immer. Ich bin glücklich in meinem Team. Ich würde nichts anderes machen wollen. Das ist wohl mein größtes Glück, auch wenn ich es vielleicht mal vergesse – aber ich besinne mich immer wieder darauf.

Frau Matschy, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview erfolgte am 22/02/2016

Der Ambulante Pflegedienst – DAP
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