Petra Höhne

Petra Höhne ist die Inhaberin des Pflegedienstes Am Steinberg im Vogtland.

 

Frau Höhne, wo sind Sie aufgewachsen?
In Leutersbach bei Kirschberg – in Sachsen.
Nach dem Abschluss der zehnten Klasse habe ich eine Lehre für Kleidungsfacharbeiter in Obercrinitz besucht.

Und wie ging`s weiter?
Dann habe ich im gleichen Betrieb für Wäschemoden als Näherin gearbeitet. Die Lehre war von 1982 bis 1984.
1984 kam dann Daniel, mein erster Sohn.
Danach war ich ein Jahr zuhause. In dieser Zeit habe ich auch meinen ersten Mann geheiratet. Wir sind danach nach Waldenburg gezogen und in Glauchau war ich als Näherin tätig.
1986 wurde mein zweiter Sohn geboren- David.
Dann kam die Wende. Die Unternehmen brachen weg. Es gab keine Arbeit mehr.

Wie ging’s weiter?
In dieser Zeit begann ich die Oma meines Mannes zu pflegen.
Das machte mir Spaß, obwohl es eine schwere Arbeit war.

War das ein Motiv, später in die Pflege zu gehen?

Ja, unbedingt. Ich erkannte, wie bitter nötig es war, alten, gebrechlichen Menschen professionell zu helfen.

Was kam dann?

1993 trennten sich mein Mann und ich. Ich zog mit meinen Kindern zurück nach Leutersbach, in eine Wohnung – gegenüber von meinem Elternhaus. In dieser Zeit begann ich einen Qualifizierungslehrgang für Altenpflege. Das war 1994 bis 1995. Dadurch fand ich auch Arbeit.
Ich absolvierte zunächst ein Praktikum auf einer Sozialstation.

Sind Sie dort geblieben?

Ja. Und zwar von 1995 bis zum Jahr 2001.
Ich setzte mich in dieser Zeit noch einmal für drei Jahre -1997 bis 2000 auf die Schulbank und machte eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin mit, und zwar berufsbegleitend.
1998 kam noch der Umzug nach Steinberg hinzu, dem heutigen Sitz meines Pflegedienstes.


Und, gut abgeschlossen?

Auf jeden Fall. Das war nicht leicht. Doch ich hatte Spass und gute Noten.

Warum haben Sie auf der Sozialstation aufgehört?

Meine damalige Chefin machte sich selbstständig und fragte mich, ob ich Lust hätte, in ihrer neuen Firma mitzumachen.
Ich habe nicht lange überlegt.



Haben Sie diesen Entschluss bereut? Schliesslich gingen Sie ja von einem sicheren Arbeitsplatz weg und begaben sich zunächst mal in eine ungewisse Zukunft.

Das stimmt schon. Doch mir gefiel die neue Herausforderung.
Ich habe ja den Pflegedienst faktisch von unten mit aufgebaut.
Und meine Chefin bot mir an, mich außerdem zur Pflegedienstleitung zu qualifizieren. Das war 2004.

Aber was war dann das Motiv, dass Sie dort 2006 ausschieden?
Das Unternehmen entwickelte sich nicht dynamisch. Eigentlich war Stillstand. Das gefiel mir nicht. Ich wollte also dort weg.

Sie hätten doch jederzeit wieder woanders in einer Pflegeeinrichtung arbeiten können?

Ja und Nein. Ja, weil ich inzwischen so gut qualifiziert war, dass ich auf jeden Fall eine gute Stelle bekommen hätte.

Und nein?

Nun, in zweierlei Hinsicht sogar ein „nein“.
Der positive Aspekt daran: Ich wollte mich selbst ausprobieren, meine eigene Firma haben. Und zum anderen: Ich war als Kind an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Die Chemotherapie schwächte mein Herz. In der Folge bekam ich einen Defibrillator eingesetzt, um einer Herzschwäche zu begegnen. Wenn Pflegedienste das in der Bewerbung lasen, gab es stets Absagen.
Sie befürchteten, ich würde das Ganze physisch und psychisch nicht durchstehen. Und so musste ich etwas finden, dass all diese Aspekte berücksichtigte. Mein neuer Lebenspartner bestärkte mich, einen eigenen Pflegedienst zu gründen.

Wann ging das los?

2006 begann ich, mich ernsthaft mit dem Gedanken zu beschäftigen. Ich fing an, ein Konzept zu erarbeiten, die nötigen Anträge im Februar 2007 zu stellen. Am 01. Juni 2007 ging es dann richtig los.

Wie kamen Sie zu Ihrem ersten Patienten?
Mein erster Patient war meine Mutter. Dann kamen andere Patienten hinzu. Ich war in meinem Ort nicht unbekannt, arbeitete gut mit den ansässigen Ärzten zusammen.
Und ich habe natürlich auch kräftig die Werbetrommel gerührt, Flyer ausgelegt. Doch die beste Werbung war unsere Arbeit. Wir haben mit vier Fachkräften begonnen. Die Mund- zu- Mund – Propaganda tat ein Übriges.
Schließlich habe ich auch einige Patienten aus dem Pflegedienst meiner Ex- Chefin übernommen, nachdem dieser nicht mehr existierte.

Würden Sie die Entscheidung für einen eigenen Pflegedienst heute noch einmal genauso treffen?

Ja, absolut. Ich bin dadurch viel selbstbewusster geworden, traute mir nach und nach immer mehr zu. Vor allem: Ich konnte vielen Menschen etwas Gutes tun, ihre Lebensqualität in der häuslichen Umgebung trotz körperlicher oder geistiger Einschränkungen weiter erhalten.
Und ich konnte davon meinen Lebensunterhalt bestreiten.

Was nervt Sie denn an Ihrem Beruf?

Nun, der ständige zähe Kampf mit den Kassen zum Beispiel- das ewige Ringen darum, vielleicht doch rechtzeitig die Zahlung für einen Tag zu erhalten, obwohl ein Pflegebedürftiger vielleicht einen Antrag ein paar Tage zu spät eingereicht hat.

Was ist das Wertvollste an Ihrem Beruf?
Die Dankbarkeit der Patienten. Das kann man niemals mit Geld aufwiegen. Das ist einfach das Schönste!

Sie haben sich ja als Mutter zwischendurch auch um Ihre Kinder kümmern müssen. Wie haben Sie das unter einen Hut bekommen?
Natürlich war das nicht immer leicht. Doch irgendwie habe ich es geschafft, mich um meine Kinder gut zu kümmern, für Sie zu sorgen.
Viel schlimmer war für mich, dass sich in der Zwischenzeit mein Lebenspartner von mir trennte. Der Mann also, der mir ja geraten hatte, mich selbstständig zu machen. Und dann sass ich mit meinen Verbindlichkeiten und dem Haus allein da. Das war sehr hart.

Haben Sie das überstanden?

Ja, auf jeden Fall!

Was tröstet Sie?
Ich freue mich, dass aus meinen beiden Söhnen etwas geworden ist.
Daniel arbeitet heute mit mir gemeinsam in der Geschäftsleitung des Pflegdienstes zusammen. Er ist für die Verwaltung und das Controlling zuständig. Er hat Gesundheitsmanagement studiert und darauf seinen Bachelor gemacht. Später kam für ihn ein Master in BWL im Fach Controlling dazu. Den hat er im August vergangenen Jahres erfolgreich abgeschlossen.

Und der zweite Sohn?
Das ist David. Er hat zwei Jahre in Freiburg gearbeitet, war im Luisenhof in Dresden und anderthalb Jahre in Portugal.
Vor zwei Jahren hat er in einem Hotel im Freizeitpark in Rust begonnen. Heute ist er dort der Chef der Patisserie und hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Unser Familienzusammenhalt ist nach wie vor sehr eng.

Firmenporträt:
Der Pflegedienst „Am Steinberg“ ist in den Orten Wernesgrün, Wildenau und Rothenkirchen der Gemeinde Steinberg tätig – und das in einem Umkreis von ca. 15 km. Im Team arbeiten 24 Mitarbeiter, drei von ihnen versorgen Pflege-und Hilfsbedürftige in Zwickau. Inhaberin des Pflegedienstes ist Petra Höhne. Sie hat zugleich die Pflegedienstleitung inne. Das Leistungsspektrum reicht von der Grund – und medizinischen Behandlungspflege, die ambulante onkologische Versorgung, Verhinderungspflege und Betreuungsleistungen bis hin zur hauswirtschaftlichen Versorgung. Vier an Demenz erkrankte Patienten werden in einer Wohngemeinschaft betreut. Dort gibt ein Doppel- und zwei Einbettzimmer.

 

Das Interview erfolgte am 12/12/2015

 

Pflegedienst Am Steinberg
Hauptstraße 91
08237 Steinberg / OT Rothenkirchen
Telefon & Fax: 037462 / 29847
Mobil:              0170 / 980 79 49
E-Mail: info@pflegedienst-steinberg.com
Homepage: www.pflegedienst-steinberg.de