Petra Höhne

Petra Höhne ist die Inhaberin des Pflegedienstes Am Steinberg im Vogtland.

 

Frau Höhne, wenn Sie Ihren Auszubildenden heute einen Rat erteilen würden – wie sähe der aus?
Ich habe von 1994 bis 1995 eine Ausbildung zur Pflegehelferin absolviert. 1995 bis zum Jahr 2001 war ich auf einer Sozialstation tätig. Und in diese Zeit fiel meine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin. Das Gute daran war, dass es berufsbegleitend passierte. Ich war also immer in der Praxis. Und das hat mich vieles gelehrt und auch geprägt.
Ich würde heute einem Auszubildenden empfehlen, soviel Praxis wie nur möglich mitzunehmen. Also von Anfang an die Wirklichkeit in der Pflege so kennenlernen, wie sie ist. Heute sind zum Beispiel sehr viele Pflegebedürftige dement. Das ist ja was ganz anderes, als wenn ich jemanden pflege, der nur körperlich beeinträchtigt ist.

Ihr Sohn Daniel arbeitet heute in der Geschäftsführung mit. Was macht Ihre gute Zusammenarbeit aus?
Zunächst: Jeder hat seinen Bereich, für den er verantwortlich ist. Ich kümmere mich um die Pflegedienstleitung und Daniel ist für die Verwaltung und das Controlling zuständig. Ich rede ihm da nicht hinein. Daniel hat Gesundheitsmanagement für drei Jahre studiert und ist dann noch auf BWL – Controlling umgeschwenkt.

Und hat er es bereut, mit Ihnen zusammenzuarbeiten?
Nein. Er macht auch alles mit. Er fährt zum Beispiel die Touren mit und kennt so auch die tägliche Pflegepraxis. Im Übrigen: Wir denken und fühlen in den meisten Dingen gleich. „Wir ticken sozusagen gleich.“ Und das ist nicht ganz unwichtig, wenn es um so eine sensible Sache wie die Führung eines Pflegedienstes geht.

Sie gehen ins neunte Jahr mit dem Pflegedienst – was ist Ihr Geheimnis eines erfolgreichen Pflegedienstes?
Das ist auf jeden Fall der Teamzusammenhalt. Wir haben ja mit vier Mitarbeitern begonnen. Heute sind es insgesamt 24. Ich bin für ein kollegiales und familiäres Verhältnis. Hier auf dem Dorf hat das noch einmal eine ganz besondere Bedeutung.
Der Zusammenhalt ist viel fester. Man kennt sich untereinander. Und die Pflegebedürftigen wissen sofort, ob wir uns gut untereinander verstehen oder ob das nur gespielt wird. Wir haben zum Beispiel ein sogenanntes Wünsche – Buch. Da kann jeder eintragen, wann er Urlaub haben möchte, wann er keinen Spätdienst möchte oder frei haben will.
Das versuche ich zu berücksichtigen. Wir sind übrigens alle per „du“.

Ist das nicht gefährlich?
Naja, bei uns hat sich das entwickelt und wir fühlen uns wohl dabei. Der Respekt ist trotzdem untereinander da. Bei schwierigen Situationen muss ich ohnehin mit jedem reden. Nach Möglichkeit im Einzelgespräch. Da lässt es sich besser die Dinge ausdiskutieren. Aber wir reden auch offen auf Teamsitzungen miteinander.

Wie ist es bei Beschwerden von Angehörigen über Ihre Mitarbeiter?
Dem gehe ich sehr schnell und sehr genau nach. Wichtig ist stets, beide Parteien zu hören. Und zwar getrennt voneinander. Wir dokumentieren ja ebenfalls genau. Da lässt sich manches nachvollziehen. Also jeder Mitarbeiter notiert zum Beispiel Besonderheiten, die ihm im Verhalten des Pflegebedürftigen auffallen.
Wichtig ist, dass man nach Lösungen sucht und bei berechtigter Kritik – egal von welcher Seiten die nötigen Schlüsse zieht.

Im neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wird die Individualität im Herangehen an den Pflege- und Hilfsbedürftigen betont.
Was beachten Sie besonders, wenn Sie von individueller Pflege sprechen?
Wir haben uns von Anfang an nicht an die Zeiten gehalten, etwa im Minutentakt zu pflegen. Wir haben stets geschaut, das Nötige für den Pflegebedürftigen zu tun. Und dazu gehört eben das persönliche Gespräch oder eine nette Geste dazu.
Soviel Zeit muss einfach sein. Das verstehe ich unter individueller Pflege. Denn sonst kennen wir doch gar nicht die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse unserer Patienten.

Frau Höhne, was ist Glück für Sie?
Ich bin glücklich, wenn meine Pflegebedürftigen zufrieden sind. Wenn Sie lächeln oder einfach danke sagen.

Frau Höhne, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview erfolgte am 29/02/2016

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