Martina Volkamer

Martina Volkamer ist die Inhaberin des ambulanten Pflegedienstes
Hauskrankenpflege Martina Volkamer in Seukendorf im Landkreis Fürth.

Frau Volkamer, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung Ihres Pflegedienstes?
Begonnen habe ich als examinierte Krankenschwester in einem Nürnberger Krankenhaus – genau indem, wo ich vorher auch meine Ausbildung absolviert hatte.

In welchem Bereich?
In der Gefäßchirugie.
Insgesamt habe ich dort bis 1990 gearbeitet.

Was kam ab dem Jahr 1990?
Ich wurde zum zweiten Mal Mutter und ging für zwei Jahre in den Erziehungsurlaub. Anschließend bin ich aber nicht ins Krankenhaus zurückgegangen.

Sondern?
1992 gab es für mich die Möglichkeit, in einem ambulanten Pflegedienst anzufangen.
Ich wollte später immer mal wieder im Krankenhaus arbeiten. Aber die damalige Inhaberin bot mir sehr flexible Arbeitszeiten an, um weiter im Pflegedienst tätig sein zu können.

Was meinen Sie genau?    
Mir gefiel die Atmosphäre im Pflegedienst. Und meine ehemalige Chefin hielt mir immer wieder die Tür offen.
Sie müssen wissen: Ich ging von 1995 bis 2000 noch einmal in den Mutterschutz.
Und trotzdem hatte ich stets die Möglichkeit, wieder in dem Pflegedienst anzufangen.
Das habe ich dann auch getan.
Ich konnte nämlich in Nachtwachen arbeiten; zunächst für zwei Nächte pro Woche. Das hat es mir leicht gemacht, Familie und Arbeit miteinander zu vereinbaren. Immerhin hatte ich dann bereits drei Kinder.

Was war für Sie die Initialzündung, als selbstständige Unternehmerin in die Pflege zu gehen?
Wissen Sie, es reizte mich einfach, noch einmal eine Führungsposition einzunehmen.
Ich wollte neue Herausforderungen für mich und ich wollte eine Tätigkeit ausüben, die mir langfristige Sicherheit für die Familie gibt.
Heute arbeitet mein Mann mit mir im Büro und ist mir eine wichtige Stütze.
Bevor ich meinen eigenen Pflegedienst gründete, habe ich mich noch in den Jahren 2005 und 2006 zur Pflegedienstleiterin weitergebildet.
2009 und 2010 kam noch eine Ausbildung zur zertifizierten Wundmanagerin hinzu.
Am 01.04.2010 habe ich dann den Pflegedienst von meiner damaligen Chefin übernommen.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Also, das Schwierigste war für mich anfangs die Mitarbeiterführung. Sie müssen sich vorstellen: Ich habe ja das Personal von der ehemaligen Inhaberin komplett übernommen. Und über Nacht wurde ich quasi von der normalen Kollegin zur Chefin.
Das war psychologisch schon eine sehr sensible Situation – für mich und für die Mitarbeiter ebenfalls. Bis aus ehemaligen Kollegen wirklich Mitarbeiter wurden, verging eine geraume Zeit, und es hat mich viel Kraft gekostet.
Umgekehrt: Für die ehemaligen Kollegen war es ebenso nicht leicht. Sie mussten sich daran gewöhnen, dass ich nun die Chefin und Pflegedienstinhaberin war. Wir sind gut zusammengewachsen. Und wir sind heute ein Team, wo sich jeder auf den anderen verlassen kann, wo jeder weiß, wer wofür die Verantwortung trägt und wie man damit umgeht.

Und was ist Ihnen leicht gefallen?
Leicht gefallen ist mir die fachliche Seite. Überhaupt der Umgang mit den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Das ist auch bis heute eine Seite, warum mir der Beruf  so viel Spaß macht.

Welchen Stellenwert nimmt bei Ihnen das persönliche Gespräch mit Pflegebedürftigen ein?
Naturgemäß einen sehr hohen Stellenwert.

Warum sagen Sie naturgemäß?
Sehen Sie, wir haben es mit Menschen zu tun. Für die, die Hilfe und Unterstützung brauchen, für die sind wir täglich da. Und das geht nur über eine Kommunikation, die auch die Pflegebedürftigen und deren Angehörige erreicht.
Außerdem: Wir sind ein Pflegedienst, der aufs Land fährt. Auf dem Land kennt man sich untereinander sehr gut. Es werden zum Beispiel Grüße bestellt.
Wir reden immer, wenn wir die Pflege ausführen – sei es die Körperpflege oder die Medikamentengabe. Wir erklären auch viel, beantworten Fragen – kurzum, wir bewirken mit dem Gespräch ja viel Positives in der Pflege und Betreuung. Im Team selbst hilft es enorm, miteinander zu sprechen, sich auszutauschen. Das wirkt der psychischen und physischen Belastung entgegen, die nun mal mit dem Beruf für die Pflegenden verbunden ist.

Zum Schluss: Was ist für Sie persönlich Glück?
Ich bin ein optimistischer Mensch. Das allein macht schon glücklich.
Außerdem: Meine Familie ist mir wichtig, sehr wichtig. Wir treffen uns zum Beispiel einmal in der Woche zum gemeinsamen Essen. Das verbindet und macht mich ebenfalls glücklich, wenn ich alle Familienmitglieder um mich weiß.
Meine Kinder arbeiten nicht im Pflegedienst. Aber sie haben gesehen, wie wichtig die soziale Arbeit am Menschen ist. Zwei Kinder sind heute im BRK aktiv.
Einer meiner Söhne hilft am Wochenende im Pflegedienst, das warme Mittagessen auszufahren. Darauf bin ich stolz. Es gibt nicht immer schöne Momente. Andauernd schön aber ist, dass ich meinen Beruf liebe und ich in dem was ich tue, sehr glücklich bin.

Frau Volkamer, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

Das Interview erfolgte am 20/05/2016