Martin Dornseifer

Martin Dornseifer ist der Inhaber des häuslichen Pflegedienstes Ambulant Aktiv.

Herr Dornseifer, können Sie kurz schildern was Sie beruflich bis zur Gründung Ihres eigenen Pflegedienstes gemacht haben?
Ich habe 1983 mein Abitur gemacht. Daran schloss sich in den Jahren 1983/84 der Zivildienst an. Das war mein erster Bezug in der Arbeit mit Senioren, wenn es zum Beispiel um die Essensversorgung, das Essen auf Rädern, ging. Nach dem Zivildienst habe ich vier Semester katholische Religionspädagogik studiert.
Das Studium habe ich abgebrochen.

Warum?
Mir wurde klar: Ich wollte lieber direkt mit Menschen arbeiten, ihnen konkret helfen. Und so kam ich nach einigen diversen Jobs zur Pflege.
Ich habe 1989 als Pflegehelfer im stationären Bereich angefangen. Fünf Jahre war ich dort tätig und habe sehr viele Erfahrungen in der Pflege sammeln können.

Wie ging es weiter?
1994 wechselte ich zu einem privaten ambulanten Pflegedienst. In dieser Zeit begann ich eine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger, berufsbegleitend.
Hinzukam: Ich wurde sehr schnell zum Assistenten der Geschäftsleitung.

Wie kam es dazu?
Ich war engagiert und ich war daran interessiert, möglichst viel zu lernen.
Zum Beispiel, wie man kaufmännisch in der Pflege kalkuliert oder die Pflegeabläufe plant.

War das nicht sehr anstrengend?
Natürlich. Ich hatte faktisch eine 70 – Stunden Woche. Doch mein christlicher Glaube, das Richtige zu tun, gab mir die Hoffnung und die Kraft dafür. 1999 habe ich dann die Ausbildung abgeschlossen.  Später bin ich als verantwortliche Fachkraft für Betreutes Wohnen in einem ambulanten Pflegedienst tätig gewesen.
In dem Komplex wohnten ca. 200 Leute zusammen – junge und alte Menschen gemeinsam; unter ihnen waren ca. 80 Senioren.
Wir waren für sie zuständig und haben uns um den Service gekümmert, bis hin zur Betreuung und Versorgung von Menschen mit der Pflegestufe III.
 Das war eine gute Sache. Das Zusammenleben hat die Solidarität und den Gemeinschaftssinn unter den Senioren gefördert.
 Jeder konnte sich zurückziehen. Doch wenn jemand Hilfe brauchte oder einfach nur das Gespräch mit dem Nachbarn gesucht hat – dann war das möglich.

Das ist ja eigentlich eine Wohnform der Zukunft, oder?

Auf jeden Fall. Ich würde mir wünschen, wir hätten mehr solcher Projekte – bezahlbar und mit einem soliden Service sowie einer guten Betreuung bei Bedarf.
Ich glaube, das ist es, was die Menschen heute wollen. Sie möchten nicht die reine Form des Betreuten Wohnens – ausschließlich unter Senioren. Vielmehr wissen wir doch: Kommunikation, miteinander sprechen, sich Geschichten erzählen, Sorgen und Freuden teilen – das ist es, was Menschen am Leben hält, ihre mentale und letztlich auch die physische Kraft stärkt. 
Schließlich war ich noch als Pflegedienstleitung im ambulanten Pflegedienst tätig.

Herr Dornseifer, was war denn die Initialzündung dafür, den eigenen Pflegedienst zu gründen?

Nun, da gibt es nicht ein einziges sogenanntes Aha- Erlebnis. Sondern: Es war das Resultat eines Weges, den ich den Jahren davor in der Pflege gegangen bin.
Als Angestellter zu arbeiten, das ist etwas Anderes. Du hast deinen Aufgabenbereich, weißt, was du zu tun hast, aber du übernimmst nicht die Gesamtverantwortung für das Ganze. Das ist schon ein Vorteil, vor allem, was die Sicherheit im kaufmännischen Sinne anbetrifft. Der Nachteil ist: Du kannst nicht dein Konzept, deine Philosophie von Pflege bis ins Detail hinein ausleben.
Ich wollte schon lange meinen eigenen Pflegedienst haben, klein und auf Qualität in der Pflege und Betreuung bedacht. Dazu gehört, dass ich die Kunden alle kennen will, ihre Sorgen, Fragen und Bedürfnisse. Deswegen bleibt die Zahl derer, die wir betreuen auch überschaubar.

Wie viel Kunden sind das jetzt?

43; und 9 Mitarbeiter kümmern sich um Sie.

Fahren Sie selbst auch mit raus?
Selbstverständlich! Jeden Tag bin ich draußen bei meinen Kunden. Das ist mein Leben. Darum brauche ich keinen Urlaub. Ich liebe die Pflege tatsächlich, und das Tag für Tag.


Tag für Tag?
Es gibt schon Stunden, da bist selbst nicht gut drauf oder einem Pflegebedürftigen geht es nicht gut.

Aber gehört das nicht dazu?
Ich denke ja. Würden wir nur gute Zeiten erleben, so wüssten wir das vielleicht nicht zu schätzen, was an Gutem widerfährt.

Was sind die Werte in der Pflege, auf die es Ihnen ankommt?

Das A und O ist: Dem Kunden Sicherheit vermitteln, zu ihm Vertrauen aufbauen.

Wie machen Sie das?

Ich habe den Blick für die Stärken der Menschen.
Und wenn ich dann jemanden darauf anspreche, dann sieht er, dass er mir wichtig ist, ich ihn wertschätze. Das ist im Team genauso. Ich gebe jedem die Zeit, die er braucht, um sich einzugewöhnen, sich wohl zu fühlen.
Und will ich ebenso, dass jeder Mitarbeiter seine Stärken weiter ausbauen kann.
Im Umkehrschluss gehört dazu, dass wir untereinander gut mit Kritik umgehen, sie nutzen, um noch besser in der Pflege zu werden.

Welche Rolle spielt Bambino in Ihrem Team?

Oh, eine große. Er ist beliebt – bei den Mitarbeitern und bei den Kunden.
Ich habe zum Beispiel eine Kundin, die Bambino besonders mag. Sie ist sehr unruhig. Aber wenn Bambino bei ihr auf dem Schoss sitzt, dann ist sie ganz ruhig und kann gut zuhören.

Das ist ja praktisch eine Therapie, oder?

Auf jeden Fall. Ich denke auch, der Hund hat mich ausgesucht. Das ist Bestimmung.

Herr Dornseifer, was ist für Sie persönlich Glück?
Glück ist das, was ich im Moment lebe – das ich das umsetzen kann, was mir am Herzen liegt. Ich bin davon überzeugt: Die Pflege ist meine Bestimmung. Und dass diese Bestimmung mein Leben ausfüllt, das macht mich glücklich.
Glück, das sind nicht nur die großen Dinge. Wenn ich zum Beispiel sehe, wie Bambino bei mir im Schaufenster unseres Büros liegt und die Leute, die vorbeikommen und lächeln – was kann es Besseres geben?

Herr Dornseifer, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

Das Interview erfolgte am 26/07/2016

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