Kommunikation

Miteinander sprechen, kommunizieren – das ist ein unabdingbarer Bestandteil der Pflege. Keiner wird bestreiten, dass es der Kommunikation bedarf, um die individuellen Wünsche und Bedürfnisse des Patienten zu erfahren, ihn aufzumuntern oder einfach „small- talk“ zu betreiben.

Nicht kommunizieren  - das ist nicht möglich. Das wissen wir aus der Literatur und vor allem aus der eigenen persönlichen Erfahrung. Manchmal ist Schweigen das stärkste Mittel in der Kommunikation. Doch für Pflegende geht es darum zu erfahren, wie es dem Patienten geht, was ihn vielleicht bedrückt.

Das Reden mit dem Pflegebedürftigen – das kann in bestimmten Situationen wichtiger sein, als die formale und routinierte Handlung. Mitunter sagen mir Mitarbeiter, sie hätten keine Zeit, große Gespräche zu führen. Darum geht es auch nicht; zumindest nicht in der Mehrzahl der wiederkehrenden Aktivitäten,  zum Beispiel in der häuslichen Pflege. Aber den Pflegebedürftigen nicht mitzunehmen während einzelne Handlungen in der Grund – und Behandlungspflege durchgeführt werden – das mindert die Qualität der Pflege erheblich.

Und umgekehrt: Es motiviert den Patienten, es steigert sein Selbstwertgefühl, wenn er merkt: da ist jemand, dem bin ich wichtig. Kommunikation spielt keine geringere Rolle, wenn Angehörige die Pflegenden sind. „Das habe ich dir doch gerade erklärt, Mutter“, sagt ein Angehöriger, weil ihn die mehrfachen Nachfragen seiner demenzkranken Mutter nerven.  Das ist menschlich allzu verständlich; zumal, wenn man abends nach Hause kommt und die Pflegetätigkeit im häuslichen Umfeld wartet.

Und trotzdem: Sich in den Pflegebedürftigen hineinversetzen, ihn verstehen und ihm dabei helfen, das Leben als lebenswert zu betrachten – das geht nur, wenn die Kommunikation nicht als lästiges Anhängsel betrachtet wird.
Nicht wenige Pflegebedürftige haben mir erzählt, dass für sie der Höhepunkt des Tages dann gekommen ist, wenn die Pflegekraft da ist. „Ich hab` ja sonst nichts mehr“, sagte mir eine Frau, die auf dem Dorf in ihrem Haus allein lebt und mit ihrer Katze aus dem Fenster schaut – bis das Pflegeauto kommt.

Pflegekräfte, die in der Palliativpflege tätig sind, bestätigen, dass die Kommunikation, das Sprechen, sich erinnern an schöne Zeiten einen Trost in dieser schweren Zeit darstellt – für den Palliativpatienten und seine Angehörigen.
Eine Pflegekraft in der Nähe von Hamburg bringt dem Patienten 59 rosa Rosen zum 59. Hochzeitstag mit. Die Eheleute waren zu Tränen gerührt. Kommunizieren durch das Empfinden, das Erfühlen oder das Sprechen über Wünsche, Sorgen, Freuden – das ist ein wichtiger Aspekt in der Pflege.

Pflegekräfte kommunizieren untereinander, dokumentieren ihre Gespräche mit den Patienten -  all das sind wesentliche Bestandteile einer qualitativ guten Pflege.
Die Neufassung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes, seine stärkere Hinwendung zu den individuellen Aspekten in der Pflege – das wäre nicht umsetzbar ohne eine fachlich fundierte Kommunikation, ein herzliches Miteinander im Gespräch vor Ort – in stationären oder ambulanten Einrichtungen.

Wie in der täglichen Pflegepraxis kommuniziert wird - was man beachten sollte, wie Kommunikation das Handeln im Pflegeteam beeinflusst – das sind Themen, über die ich schreibe.