Irmgard Buss

Irmgard Buss ist die Geschäftsführerin der Tagespflege „Lebensfreude GmbH“

Frau Buss, können Sie mal anhand von ein paar Aktivitäten den Tagesablauf in Ihrer Einrichtung schildern?
Ja, sehr gern. Ich erläutere das mal anhand des heutigen Tages. Nachdem die Gäste in der Tagespflege eingetroffen sind, werden sie von den Mitarbeitern direkt vom Bus abgeholt und in die Tagespflege begleitet. Gegen 09.00 Uhr frühstücken alle gemeinsam. Im Anschluss nimmt eine Mitarbeiterin die Begrüßung vor. Sie liest etwas Humorvolles aus einem Buch vor oder erzählt eine Anekdote. Die Mitarbeiterin fragt ebenfalls die Gäste danach, welcher Tag heute ist.

Wir besprechen im Team vor dem Frühstück, welche Besonderheiten es am vorhergehenden Tag gab, ob uns bei Gästen etwas aufgefallen ist, was wir am nächsten Tag in den Aktivitäten berücksichtigen sollten. Ein ganz wichtiger Punkt ist die Absprache darüber, was es zum Mittag zu essen gibt.   

Danach findet ein Spaziergang statt. Eine Gruppe geht beispielsweise ums Haus, eine zweite macht einen Waldspaziergang und eine dritte Gruppe bearbeitet die gepflückten Stachelbeeren im Garten. Das macht den Gästen sehr viel Freude. Sie sitzen im Garten, im Schatten und erzählen zum Beispiel Geschichten von früher. 11.30 Uhr gibt es eine kurze Pause, in der Getränke gereicht werden. Im Anschluss ist die Medikamentengabe, Insulin wird gespritzt bei Gästen, die das müssen und es wird zur Toilette gegangen. Wer kann, der unterhält sich in dieser Zeit, um einfach dem Redebedarf zu genügen.

Wie geht es weiter?
12.00 Uhr ist Mittagszeit. Die Köchin hat bis dahin das Mittagessen vorbereitet. Die Kartoffeln werden frisch gekocht. Wenn jemand doch nicht das Gericht mag, dann wird ein Ausweichessen angeboten. Nach dem Essen wird die Tischrunde aufgehoben, und zwar von der Mitarbeiterin, die auch die morgendliche Begrüßung vorgenommen hat. Vorher kommt die Köchin noch einmal vorbei und fragt, ob es allen geschmeckt hat.

Danach gehen die meisten Tagesgäste in den Ruheraum und legen die Beine hoch. Dafür gibt es Ruhesessel mit einem Hocker. Die Gäste, die keine Mittagsruhe wollen, gehen mit zu den Mitarbeitern in den Raum und werden dort beschäftigt.

Wie lange geht die Mittagsruhe?
Von 13.30 bis 14.15 Uhr.

Und dann?
Dann gibt es Kaffee und Kuchen. Der Kuchen wird jeden Tag frisch gebacken.

Na, das muss doch bei den Tagesgästen gut ankommen, oder?
Ja, auf jeden Fall. Manchmal helfen die Gäste auch mit. Morgen gibt es zum Beispiel frischen Stachelbeerkuchen; also von den Stachelbeeren, die die Gäste selbst gepflückt und zubereitet haben.

Wie lange geht die Kaffeetafel?
In etwa eine halbe Stunde.

Und anschließend?
Da machen wir noch einmal ein paar Spiele, die die Gäste gern mögen.

Können Sie mal ein Spiel nennen?
Ja. Da gibt es das sogenannte Waldspiel. Dabei sitzen alle an einem Tisch. Es wird gewürfelt. Dann muss zum Beispiel einer der Gäste ein Wort buchstabieren. Bei den Gästen mit schwerer Demenz sitzen Mitarbeiter daneben und helfen.
Der Spaß steht im Vordergrund und für die Aktivierung wird auch etwas getan. Oder wir tanzen im Dreivierteltakt. Sie glauben ja nicht, was das den Gästen für eine Freude bereitet.

Wie sieht die Verabschiedung aus?
Wir fragen in die Runde, was wir am Tag gemacht haben, welches Essen es zum Mittag gab und wie der Spruch des Tages war. Das ist noch einmal eine kleine Auffrischung des Gedächtnisses.

Fahren Sie die Gäste selbst nach Hause?
Ja, das machen wir. Dafür haben wir eigene Fahrzeuge.
Die Mitarbeiter bringen die Gäste zum Bus.
Ich selbst hole übrigens auch morgens Gäste ab und fahre sie abends wieder nach Hause.

Warum?
Wir möchten einen möglichst engen Kontakt zu den Gästen und den Angehörigen.

Wie halten Sie noch den Kontakt?
Nun, ich rufe Angehörige an, wenn an einem Tag noch ein Platz frei ist, und diese ihre Mutter oder den Vater für ein paar Stunden dort unterbringen können. Das ist für manch einen Angehörigen eine riesige Entlastung, wenn diese vielleicht einmal für ein paar Stunden allein sein und sie sich auf sich selbst konzentrieren können.

Was ist Ihnen bei der Betreuung besonders wichtig, was liegt Ihnen am Herzen?
Wir wünschen uns, dass die Gäste zufrieden sind. 

Welche Schwerpunkte setzen Sie in der Zusammenarbeit mit den Angehörigen?
Wir sind stets an einer sehr offenen Kommunikation interessiert. Manchmal sind da Kleinigkeiten, die man noch verbessern kann. Dazu brauchen wir die Angehörigen. Sie sind wichtig für uns.

Und wie ist das bei den Mitarbeitern?
Verbesserungen und Weiterentwicklungen gelingen nur im Team, gemeinsam mit den Ideen aller. Wir verfolgen ja das gleiche Ziel – nämlich, dass sich unsere Tagesgäste in unserer Einrichtung sehr wohl fühlen.

Frau Buss, was ist für Sie persönlich Glück?
Ich bin glücklich, wenn ich gesund bin.
Mein größtes Glück besteht darin, dass ich meine Lebensphilosophie leben kann.
Wir erleben viele positive Rückmeldungen – ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Frau Buss, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview erfolgte am 27/07/2016

Tagespflege Lebensfreude GmbH
Ansprechpartnerin:
Irmgard Buss, Geschäftsführerin

Industriestr. 5
35463 Fernwald-Annerod

Telefon: 0641-948 312  94
Telefax: 0641 -948-312 96

E-Mail: buss-irmgard@t-online.de
www.tagespflege-lebensfreude.jimdo.com