Elke Hofmann

Elke Hofmann ist die Geschäftsführerin des Seniorenpflegeheims Am Speitel in Karlsruhe.

 

Frau Hofmann, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Ich bin eine gelernte Arzthelferin und habe jahrelang in einer Arztpraxis gearbeitet und auch neue junge Mitarbeiter ausgebildet.
Nach der Geburt meines Kindes musste ich neu überlegen. Nämlich, wie ich Beruf und Kind sozusagen unter einen Hut bekam. Ich habe deshalb 6 Jahre in einem Caritas Pflegeheim in der Nachtwache gearbeitet. Da kam mir übrigens das erste Mal die Idee, ein eigenes Pflegeheim aufzumachen. Zumal mein Mann in dem Pflegeheim der technische Leiter war. Der damalige Betreiber konnte nicht weitermachen. Und der Eigentümer hat unsere Idee unterstützt.

Wann haben Sie denn das Heim angemietet?
1992. Wir wollten einfach nicht arbeitslos werden.

Warum?
Nun, der alte Heimbetreiber musste aufhören. Wir wären also gekündigt worden. Und so haben wir uns zu dem Schritt entschlossen.
Wir haben dazu auch noch einen Kurs für Heimleiter absolviert.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie denn zu kämpfen?
Die vielen Behördengänge, die alle absolviert werden mussten. Die Anträge, die wir gestellt haben – all das kostete schon eine unheimliche Mühe.
Wir haben uns dazu auch Hilfe geholt.

Und worauf sind Sie besonders stolz?
Darauf, dass wir durchgehalten haben, obwohl uns natürlich Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden. Aber wir haben ja alles geschafft.

Was waren das für „Knüppel“?
Zum Beispiel gab es anfänglich viele Beschwerden von den Anwohnern.
Ihnen war es zu laut. Da wo alte Menschen wohnen, kommt ja mal eher ein Krankenwagen. Aber wir konnten doch nicht ein Seniorenheim auf die grüne Wiese setzen, nur weil es ein paar Menschen nicht passt, oder?

Nein, da haben Sie Recht. Frau Hofmann, was macht für Sie ein starkes Team aus?
Ein Team ist dann stark, wenn es zusammenhält. Ich achte zum Beispiel darauf, dass die Fachkräfte und die Helfer auf einer Stufe stehen. Der eine kann ja ohne den anderen nicht. Es muss auch menschlich passen. Ich brauche das Team – ohne meine Mitarbeiter würde hier nichts laufen.

Wo sehen Sie die Gründe für den mitunter schlechten Ruf von Pflegediensten in der Öffentlichkeit?
Ich glaube, der Beruf ist viele Jahre nicht so in der Öffentlichkeit präsentiert worden, wie es nötig gewesen wäre.

Was meinen Sie damit?
Die Leute haben nicht verstanden, wie schwer dieser Beruf ist. Manchmal haben Menschen auch gedacht, dass man in der Branche nicht viel arbeiten muss.
Da ist jetzt vieles im Wandel. Das ist dringend nötig. Wir brauchen eine höhere Anerkennung für diese Tätigkeit. Nur so werden wir auch das Fachkräfteproblem lösen.

Was hat sich geändert im Vergleich zu den vergangenen Jahren?
Viel. Die Pflegebedürftigen werden besser wahrgenommen. Es geht nicht nur darum, sie zu versorgen – medizinisch und in den alltäglichen Dingen. Die zu Pflegenden werden besser beobachtet, was sich körperlich und psychisch verändert. Wir haben heute ganz andere Möglichkeiten und Konzepte, was die physische und psychische Mobilisierung anbetrifft.

Was heißt es für Sie, individuell zu pflegen?
Den Bewohnern das bieten, was sie sich wünschen, was machbar ist.

Was sagen Sie zur Generalistik in der Pflegeausbildung?
Das ist eine Sache, die sich zum Nachteil für die Altenpflegekräfte auswirken wird.

Wie meinen Sie das?
Ich fürchte, dass die Auszubildenden zu wenig Praxis aus der Altenpflege mitbekommen und wir dann nachqualifizieren müssen.
Vor allem: Das Gehalt muss dann auch angeglichen werden.

Frau Hofmann, was ist für Sie persönlich Glück?
Wenn es im Geschäft gut läuft. Aber das „auf und ab“ ist schon frustrierend.
Letztlich bin ich aber glücklich. Das hier ist mein Leben. Und wenn ich mal aufhöre, ja dann wird es mir sehr schwer fallen.

Warum?
Weil mir die Mitarbeiter sehr ans Herz gewachsen sind und natürlich die Heimbewohner. Wenn ich den Gang entlanggehe und mir kommt ein Bewohner entgegen, oder ich spreche mit ihm auf seinem Zimmer, ja dann ist das schon ein Stück wie Familie.

Frau Hofmann, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview erfolgte am 17/03/2016

Seniorenpflegeheim Am Speitel
Im Speitel 31
76229 Karlsruhe
Telefon: 0721/94 602-59

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Internet: http://www.am-speitel.de