Beate Brückner

Beate Brückner ist die Pflegedienstleiterin und Praxisanleiterin im Pflegedienst Seerose in Jockgrim.

 

Frau Brückner, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang bis zu Ihrem Eintritt in den „Pflegedienst Seerose?
Mich hat die Pflege schon immer interessiert. Aber vorher, also am Anfang meines beruflichen Lebens, habe ich in einer Fabrik gearbeitet, in der Galvanisation.
2002 habe ich damit begonnen, aushilfsweise in einem Heim zu arbeiten.
 Die Pflegedienstleiterin dort sprach mich damals an, ob ich nicht eine Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen wolle?
 Ich habe nicht lange überlegt, sondern habe die Ausbildung angefangen.


Wo war das?

Das war in Ettlingen an der Bertha von Suttner- Schule.
Inzwischen arbeitete ich auch in einem ambulanten Pflegedienst und absolvierte parallel die Ausbildung. 2006 hatte ich es geschafft – und war nun examinierte Altenpflegerin.

Was passierte dann?
Bis 2010 habe ich im ambulanten Pflegedienst weitergearbeitet.
Anschließend bin ich in ein Heim gegangen; ich wollte mich einfach ausprobieren, was in der Pflege besser zu mir passte?

Was haben Sie dort gemacht?
Ich war in dem Altenpflegeheim für die Wohnbereichsleitung zuständig – für demente Bewohner.
In der Zeit von 2012 bis 2014 habe ich dann eine Qualifizierung zur Pflegedienstleitung mitgemacht. In dieser Zeit wechselte ich  in den Pflegedienst Seerose; das war 2013.

Was waren Ihre Motive, im Pflegedienst Seerose anzufangen?
Nachdem ich im Altenpflegeheim festgestellt hatte, dass ich doch eher in den ambulanten Bereich gehöre, fand ich es großartig, im Pflegedienst Seerose anfangen zu können. Dort passte alles für mich.

Was meinen Sie genau damit?
Nun, ich wollte dort sein, wo nicht nur darüber geredet wird, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Wissen Sie: Es gibt genügend Chefs, die vor allem die „Dollarzeichen“ in den Augen haben.

Aber ohne Geld geht es ja nicht, oder?
Nein, das meine ich auch nicht. Ich will nur wirklich für die Menschen etwas tun; sie sollen unsere ganze Aufmerksamkeit haben.
Ich glaube, man kann viel lernen. Doch es gibt Dinge, die muss man spüren. Dazu gehört zum Beispiel, gern für Pflege- und Hilfsbedürftige etwas zu tun.
Mir geht es noch heute so – ich muss zwei bis drei Mal im Monat raus, um direkt bei den Menschen vor Ort zu sein, ihnen zu helfen, mit ihnen zu reden. Ich mache viel im Bereich der Wundversorgung.

Was sind Ihre Aufgaben im Unternehmen – bezogen auf Ihre Tätigkeit als Pflegedienstleitung und Praxisanleiterin?
Eine wichtige Aufgabe ist für mich, den Tourenplan aufzustellen; festzulegen, wer in der Woche und im Monat bei welchem Pflegebedürftigen sein muss, und was dort zu tun ist.
Das ist nicht nur eine Aufgabe des Planens. Vielmehr: Ich schaue, welche Mitarbeiterin zu welchem Pflegebedürftigen passt. Ich weiß genau um die Stärken und Schwächen meiner Teammitglieder. Und ich kenne jeden Pflegebedürftigen. So kann ich sehr gut einschätzen, wer da zu wem muss.
Das ist deshalb so wichtig, weil uns die Bezugspflege sehr am Herzen liegt.
Die zu Pflegenden und die Angehörigen sollen nicht jeden Tag einen anderen Mitarbeiter vor der Tür haben, sondern möglichst immer den gleichen. Nur so kann ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden, das so immens wichtig in der Pflege ist.
Es gibt weitere Aufgaben – zum Beispiel die Abrechnung mit den Pflegekassen.
In der Praxisanleitung bin ich für die Auszubildenden verantwortlich, die bei uns für eine bestimmte Zeit ihr Praktikum absolvieren. Sie müssen ja während ihrer Ausbildung eine bestimmte Anzahl von Stunden in einem ambulanten Pflegedienst gearbeitet haben.

Was ist da wichtig, während des Praktikums?
Ich frage die Praktikanten, was sie gern lernen möchten. Natürlich gibt es von ihnen den Wunsch, praktisch noch tiefer in die Behandlungspflege einzusteigen. Das geht aber leider nicht – das ist auch meine Verantwortung, dass die Vorschriften dort eingehalten werden. Ansonsten versuchen wir, den jungen künftigen Pflegekräften so viel wie nur möglich praktische Einblicke in die tägliche Arbeit eines Pflegedienstes zu geben.

Wie teilen Sie sich die Arbeit mit Frau Wüst auf?
Frau Wüst ist die Inhaberin. Sie kümmert sich als Chefin um das Ganze. Sie hat sehr viel mit der Verwaltung zu tun.
Ich bin die Pflege, wie ich sage. Die Pflegedienstleitung, die Praxisanleitung, das ist mein Part. Und: Wichtige Aufgaben besprechen wir gemeinsam, diskutieren, welche Lösungen für welche Probleme geeignet sind.
Zum Schluss sind wir ja doch nur im Team stark. Und das erreichen wir am besten, indem jeder auf seinem Platz das tut, was seine Aufgaben sind.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Ich bin schon immer gern mit Patienten umgegangen. Das ist meine eigentliche Freude.
Also fiel es mir sehr leicht, hier wieder den Faden aufzunehmen und im Pflegedienst Seerose mit den Pflegebedürftigen und den Angehörigen zu arbeiten.
Was mir schwer fiel: Die Vorgabe, im Minutentakt die Pflege durchzuführen.

Können Sie das näher erläutern?
Ja. Gott sei Dank ticken meine Chefin, Astrid Wüst, und ich in diesem wichtigen Punkt schon immer gleich: Wir haben uns stets die Zeit genommen, die die Pflegebedürftigen benötigen. Und so halten wir es noch heute und geben das an unsere Mitarbeiter weiter.
Die bisherigen Maßgaben, bestimmte Verrichtungen nach dem Minutentakt abzurechnen hielten wir schon immer für kontraproduktiv. Denn: Das hat einfach nichts mit individueller Pflege zu tun. So allmählich setzt sich diese Philosophie ja auch in den Behörden durch.

Sie meinen die neue Begriffsbestimmung hinsichtlich der Pflegebedürftigkeit?
Ja, genau. Jetzt werden dort die individuellen körperlichen und geistigen Komponenten besser erfasst – und die Qualität in der Pflege rückt mehr in den Vordergrund.

Worauf kommt es für junge Pflegekräfte an, wenn sie den Herausforderungen in der Pflege gewachsen sein wollen?
Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die heutige Jugend vor allem den Verdienst in den Vordergrund stellt.
Natürlich: Jeder, der arbeitet, will sein Geld verdienen und muss es auch, denn von  irgendetwas müssen wir ja leben. Aber ich glaube, wir müssen noch mehr tun, damit wir es schaffen, die ethische Seite unseres Berufes weiterzugeben.
Wir pflegen heute Menschen, die früher Deutschland mit aufgebaut und die sich abgerackert haben. Sie verdienen unseren Respekt und unsere Wertschätzung. Das will ich auch weitergeben an die jüngeren Pflegekräfte.

Welchen Stellenwert nimmt für Sie das persönliche Gespräch mit den Pflegebedürftigen ein?
Ich bin stets die erste, die auf die Patienten und die Angehörigen trifft. Jedes Erstgespräch wird von mir geführt. Ich will mir selbst ein Bild machen, wissen, um welche Pflegestufe es zum Beispiel geht. Und: wie die konkrete häusliche Situation ist, die ich vorfinde, wo zuerst Hilfe, Unterstützung, Pflege und Betreuung vonnöten ist.
Wir beraten unsere Kunden sehr intensiv und ausführlich – zum Beispiel, welche Hilfsangebote es von den Kassen gibt. Anschließend unterstützen wir sie und ihre Angehörigen dabei, das Ganze in die Wege zu leiten.
Findet dann die erste Versorgung statt, so bin ich ebenfalls dabei. Ich schätze ein, welche Mitarbeiterin am besten zu dem Patienten passt, ob es ein schwieriger Kunde ist, der vielleicht ganz besonders viel Aufmerksamkeit benötigt. Wir legen sehr viel Wert darauf, die individuellen Wünsche und Bedürfnisse zu berücksichtigen.

Können Sie das mal anhand eines Beispiels erläutern?
Also wenn Sie einen Patienten haben, der sich ein Leben über dem Waschbecken in der Küche gewaschen hat, ja dann bauen wir das in die Pflege mit ein. Wir waschen ihn weiter dort – eben über genau diesem Waschbecken.
Das ist natürlich nur ein kleines Beispiel. Generell geht es uns darum, die Biografie des Menschen, den wir vor uns haben, zu achten, zu kennen und darauf die Pflege und Betreuung abzustellen. Dazu gehört, auch mal einen Lippenstift bei einer Frau mit aufzutragen. Jeder soll sich wohlfühlen und hat ein Recht auf ein Leben, das die schönen Seiten miteinschließt. Überhaupt: Die Selbstbestimmung ist uns für jeden einzelnen Menschen wichtig. Wir achten darauf sehr und beziehen die Patienten und ihre Angehörigen aktiv in die tägliche Pflege mit ein. Das sind auch immer wiederkehrende Themen in unseren Teamsitzungen.

Was ist für Sie persönlich Glück?
Wir leben in einem Mehrgenerationenhaus – drei Generationen – meine Eltern, wir und unsere Kinder. Und wenn ich jeden Tag meinen Kindern in die Augen schauen kann, dann ist das für mich das größte Glück.

Wie alt sind Ihre Kinder?
Mein Sohn ist 32 Jahre und arbeitet bei Mercedes. Meine Tochter ist 22 Jahre und macht gerade ihr Fachabitur in Chemie. Später will sie Chemie studieren.
Ich bin glücklich, weil wir uns hier im Pflegedienst Seerose wohlfühlen – und geben wir an unsere Patienten weiter – Tag für Tag.

Frau Brückner, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview erfolgte am 13/05/2016

PDL: Beate Brückner
76751 Jockgrim
Telefon: 07271 – 981 87 68
Telefax: 07271 –  958 98 49
E-Mail: pd-seerose1@t-online.de
Internet: www.pflegedienst-seerose.de